Namibia: Was wir nach dem Start der Insassen-Telefonie gelernt haben

Ein funktionierendes Telefonat mag banal wirken. Im Justizvollzug ist es das nicht. Es ist Verbindung, Verlässlichkeit – und oft der einzige direkte Kommunikationskanal zur Außenwelt.

Nach Abschluss des Rollouts der Insassentelefonie in Namibia im Sommer des letzten Jahres begannen für den Namibian Correctional Service und die Telio Gruppe eine wichtige Phase: die Auswertung der Erfahrungen aus dem realen Betrieb.

Dabei wurde schnell klar:

Wenn Resozialisierung im Haftalltag wirklich greifen soll, muss Kommunikation so einfach wie möglich sein. Unnötige Hürden helfen niemandem.

Das betrifft vor allem das Aufladen der Telefonkonten. Familien und Freunde sollten Guthaben unkompliziert und zuverlässig einzahlen können – nur so bleibt der Kontakt zu ihren Angehörigen bestehen.


Wenn Technik auf Alltag trifft

Die Bewertung nach dem Go-live hat gezeigt, wie wichtig ein einfacher und unkomplizierter Zugang zu Zahlungsoptionen ist, um eine dauerhafte telefonische Verbindung für Familien zu schaffen.

Hier baute Telio bewusst auf die bestehende landesweite Zahlungsinfrastruktur Namibias auf:

. MobiPay-Terminals als Teil einer lokalen Zahlungsinfrastruktur ermöglichen Aufladungen an zahlreichen Verkaufsstellen, auch dort, wo der Zugang zu klassischen Bankdienstleistungen eingeschränkt ist, weil viele Menschen in ländlichen Regionen leben und Bankfilialen oft weit entfernt sind.

. Überweisungen über NamPost-Filialen sind landesweit möglich. Das ist besonders wichtig in einem Land, in dem Familien häufig weit entfernt von Justizvollzugsanstalten leben und lange Wege zurücklegen müssen.

Wenn solche Hürden reduziert werden, ist ein permanenter Kontakt wieder planbarer. Das schafft Verlässlichkeit für beide Seiten und stärkt die familiären Bindungen, die für eine erfolgreiche Resozialisierung entscheidend sind.


Verlässlicher Zugang innerhalb der Justizvollzugsanstalten

Im Zuge der Einführung der Insassentelefonie wurden auch Prepaid-Telefonkarten etabliert, um den Zugang zu Gesprächsguthaben innerhalb der Einrichtungen transparent und verlässlich zu gestalten. Der Erwerb dieser Karten sorgt für klare und nachvollziehbare Abläufe im Haftalltag. Inhaftierte wissen jederzeit, über welches Guthaben sie verfügen, und können ihre Telefonate entsprechend planen.

Gleichzeitig wird das Personal durch ein strukturiertes und einfaches Guthabenmanagement entlastet. So entsteht ein System, das sowohl organisatorisch effizient ist als auch den Inhaftierten ein Stück Eigenverantwortung ermöglicht.

Wenn keine finanziellen Mittel vorhanden sind, ermöglicht das System Reverse-Charge-Anrufe über die CYOU-Lösung von Telio. Die Gespräche bleiben vollständig überwacht und kontrolliert. Genehmigte Angehörige können die Kosten übernehmen. So bedeutet fehlendes Guthaben auf Seiten der Inhaftierten nicht automatisch den Verlust des Kontakts.

Dahinter steht ein zentrales Prinzip: Verbindung darf nicht allein vom Geld abhängen.


Technologie, die zum Land passt

Die Erfahrungen in Namibia zeigen deutlich: Technologie im Justizvollzug ist nur dann wirksam, wenn sie sich an die lokalen Gegebenheiten anpasst. Geografie, Infrastruktur und soziale Rahmenbedingungen müssen mit einbezogen werden.

Für Telio bedeutet die Insassen-Telefonie in Namibia weit mehr als eine technische Implementierung. Auch nach dem Rollout geht es darum, genau hinzuhören, bei Bedarf nachzujustieren und die Systeme konsequent an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen auszurichten.

Denn am Ende zählt, dass Kommunikation verlässlich funktioniert. So bleiben Familien in Verbindung – und genau das schafft eine stabile Grundlage für erfolgreiche Resozialisierung.